Zirkuläre Wertschöpfung im Immobilienbestand – wird das Konzept Circular Economy wirtschaftlich honoriert?

Zirkuläre Wertschöpfung im Immobilienbestand – wird das Konzept Circular Economy wirtschaftlich honoriert?

Thema

Die Masterarbeit untersucht, ob zirkuläres Bauen in der Schweiz ökonomisch tragfähig ist. Anhand von Fallstudien (NEST, OPENLY) und Experteninterviews zeigt die Arbeit, dass Zirkularität im Bauwesen zwar ökologisch sinnvoll, aber wirtschaftlich noch wenig anerkannt ist. Fehlende Standards, hohe Kosten und begrenzte Marktakzeptanz hemmen die Umsetzung. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für Wiederverwendung, Flexibilität und Langlebigkeit. Die Arbeit betont, dass politische Rahmenbedingungen, finanzielle Anreize und ein kultureller Wandel nötig sind, um Zirkularität von einer theoretischen Vision zu einem festen Bestandteil der Baupraxis zu machen.

Relevanz

Die Arbeit ist praxisrelevant, weil sie aufzeigt, wie zirkuläres Bauen wirtschaftlich umgesetzt und im Markt verankert werden kann. Sie liefert konkrete Erkenntnisse zur Zahlungsbereitschaft von Eigentümern und Mietern und identifiziert Faktoren, die Investitionsentscheidungen beeinflussen. Daraus lassen sich Chancen und Risiken ableiten, sowie konkrete Massnahmen für die Zukunft erstellen, welche die Implementierung der zirkulären Bauweise fördern können.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass zirkuläres Bauen in der Schweiz zwar ökologisch anerkannt, jedoch wirtschaftlich noch kaum honoriert wird. Eine breite Zahlungsbereitschaft für zirkuläre Immobilien besteht derzeit nicht – Lage und Rendite bleiben die dominanten Entscheidungsfaktoren. Hemmnisse sind vor allem fehlende Standards, rechtliche Unsicherheiten und mangelnde Skalierbarkeit. Erfolgreiche Beispiele wie NEST und OPENLY verdeutlichen das Potenzial, wenn technische Innovation, politische Unterstützung und gesellschaftlicher Wertewandel zusammenspielen. Entscheidend ist, Zirkularität als Qualitätsmerkmal und wirtschaftlichen Vorteil im Bauwesen zu etablieren.

Implikationen für die Praxis

1. Politische Rahmenbedingungen

Es müssen neue Konzepte, wie steuerliche oder anderweitige finanzielle Anreize geschaffen werden, weil schlussendlich die Wirtschaftlichkeit und Rendite oftmals als treibende Kraft überwiegt. Auch die Thematik einer "zirkulären Buchhaltung" muss von politischer Seite voran getrieben werden.


2. Ausbildung und Weiterbildung

Zirkuläres Denken sollte bereits in Studiengängen der Architektur, des Bauingenieurwesens und des Immobilienmanagements vermittelt werden, um zukünftige Fachkräfte frühzeitig für dieses Thema zu sensibilisieren. Gleichzeitig sollten bestehende Fachpersonen Zugang zu praxisnahen Weiterbildungsangeboten erhalten, um aktuelle Kenntnisse in Materialkunde, Rückbautechnik und nachhaltigem Projektmanagement zu erwerben.

3. Kulturwandel

Es ist eine engere Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Bau- und Immobilienbranche notwendig. Architekten, Bauunternehmen, Investoren und Behörden müssen gemeinsam neue Standards entwickeln, die Zirkularität als integralen Bestandteil von Qualität und Wirtschaftlichkeit verstehen. Best-Practice-Beispiele sollen sichtbar machen und Nutzererlebnisse schaffen, um die Akzeptanz und Nachfrage nach zirkulären Immobilien zu steigern.

Methoden

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden zwei Gebäude in der Schweiz als Fallstudien ausgewählt und verschiedene Ansätze der zirkulären Bauweise studiert. In einem zweiten Teil wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Basierend auf einem strukturierten Leitfaden wurden elf Experteninterviews durchgeführt. Dabei handelte es sich um Architekten, Nachhaltigkeitsexpertinnen, Geschäftsführende, Projektleitende, Dozierende sowie Vertreter von öffentlichen Institutionen mit langjähriger Erfahrung im Bereich nachhaltige und zirkuläre Bauweise. Die Interviews wurden mit einer qualitativen Inhaltsanalyse mit der Methoden der induktiven Kategorienbildung nach Kuckartz (2018) und zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet. Die Interviewdaten wurden softwaregestützt codiert und in einem Codebook zusammengeführt, um die Zahlungsbereitschaft und Chancen und Risiken der zirkulären Bauweise zu identifieren.