Joiners im Startup-Kontext

Joiners im Startup-Kontext
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Subjektive Well-being-Erfahrungen, Belastungen und Bewältigungsprozesse nicht-gründender Schlüsselakteur:innen

Thema Diese Master-Thesis untersucht, wie Joiners ihr subjektives Well-being in dynamischen und wenig formalisierten Startup-Kontexten erleben. Im Fokus stehen nicht-gründende Schlüsselakteur:innen, die zentrale operative, strategische oder kulturelle Verantwortung übernehmen, ohne selbst Teil des Gründungsteams zu sein. Die Arbeit fragt, welche Anforderungen, Ressourcen und kritischen Ereignisse ihr Wohlbefinden prägen und wie sie Unsicherheit, Verantwortung, Kontrolle, Ownership, Sinnhaftigkeit und Zugehörigkeit bewerten und bewältigen. Damit rückt eine Akteursgruppe in den Mittelpunkt, die Startups wesentlich mitträgt, in der Forschung aber bisher wenig beachtet wurde.

Relevanz Joiners sind für Startups zentral, weil sie Produkte entwickeln, Kund:innen betreuen, Prozesse aufbauen, Kultur prägen und Wachstum ermöglichen. Gleichzeitig arbeiten sie häufig unter hoher Unsicherheit, knappen Ressourcen, Rollenfluidität und grosser Verantwortung. Für Gründer:innen, Führungspersonen, Investor:innen und HR-Verantwortliche ist relevant zu verstehen, unter welchen Bedingungen Joiners Verantwortung produktiv übernehmen können, ohne dass ihr Wohlbefinden langfristig gefährdet wird. Nachhaltige Startup-Entwicklung hängt damit nicht nur von Finanzierung, Marktchancen und Gründer:innen ab, sondern auch vom Well-being jener Mitarbeitenden, die den Aufbau im Alltag wesentlich mittragen.

Ergebnisse Die Ergebnisse zeigen, dass Joiners Startup-Arbeit zugleich als belastend und bereichernd erleben. Unsicherheit, Rollenfluidität, hohe Arbeitsintensität und Verantwortung bei begrenzter formaler Kontrolle prägen das Erleben stark. Gleichzeitig wirken Autonomie, Lernen, sichtbarer Impact, Sinn, Teamzusammenhalt und Zugehörigkeit als zentrale Ressourcen. Ein Kernergebnis ist die Konstellation «Verantwortung ohne volle Ownership»: Joiners übernehmen Verantwortung und entwickeln teilweise psychologisches Ownership, verfügen aber nicht immer über entsprechende Entscheidungsmacht oder formale Beteiligung. Entscheidend für das Well-being ist daher die Passung zwischen Verantwortung, Einfluss, Anerkennung, Fairness und Abgrenzbarkeit.

Implikationen für Praktiker:innen

  • Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsspielräume früh klären und regelmässig überprüfen.
  • Verantwortung nicht isoliert übertragen, sondern mit Einfluss, Ressourcen, Transparenz und Anerkennung verbinden.
  • Rollenfluidität aktiv begleiten, damit sie Entwicklung ermöglicht, aber nicht in dauerhafte Überforderung kippt.
  • Beteiligung, Fairness und Wertschätzung differenziert gestalten; Ownership ist nicht nur finanziell, sondern auch psychologisch und relational bedeutsam.
  • Grenzziehung kulturell legitimieren, damit hohes Commitment nicht mit permanenter Verfügbarkeit verwechselt wird.

Methoden Die Untersuchung folgt einem qualitativen, explorativen Forschungsdesign. Datengrundlage bilden 13 leitfadengestützte, semi-strukturierte Interviews mit Joiners aus neun Startup-Kontexten. Die Befragten waren in wissenschaftlich-technischen, kommerziellen, operativen, regulatorischen und generalistischen Rollen tätig. Die Interviews wurden transkribiert, anonymisiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Analyse verband theorieinformierte und materialoffene Codierung mit einer Gioia-informierten Verdichtungslogik. Aus den kodierten Segmenten wurden materialnahe First-Order Concepts, analytische Second-Order Themes und fünf Aggregate Dimensions entwickelt. Ergänzend wurden Fälle verglichen, um fallübergreifende Muster, Kontraste und zentrale Spannungsfelder der Joiner-Erfahrung herauszuarbeiten.