Entwicklung und Evaluation eines bedarfsgetriebenen Kennzahlensystems für ein mittelständisches Unternehmen

Vom Rohdatenpunkt zur Entscheidung mit einem bedarfsgetriebenen Kennzahlensystem
Von den Rohdaten zur Entscheidung mit einem bedarfsgetriebenen Kennzahlensystem

Thema

Die Arbeit entwickelt ein Kennzahlensystem für ein mittelständisches Schweizer Unternehmen, das sich konsequent am tatsächlichen Informationsbedarf der Verantwortlichen orientiert. Anstatt ein Standardmodell wie die Balanced Scorecard unverändert zu übernehmen, wird ein bedarfsgetriebenes System gestaltet, das sich an deren bewährten Perspektiven ausrichtet und sie auf die Praxis des Unternehmens zuschneidet. Aus fünf Experteninterviews wird abgeleitet, welche Kennzahl welche Funktion in welcher Adressatensicht tatsächlich benötigt. Das Ergebnis ist ein lauffähiger Dashboard-Prototyp, der die Steuerung näher an den Entscheidungsalltag bringt.

Relevanz

Kennzahlen sind für KMU ein zentrales Steuerungsinstrument. Etablierte Kennzahlensysteme aus der Literatur setzen jedoch oft eine ausformulierte Strategie und entsprechende Ressourcen voraus, die im Alltag vieler KMU nicht immer vorhanden sind. Dadurch bleiben Standardmodelle häufig hinter ihrem Potenzial zurück. Die Arbeit zeigt einen gangbaren Weg, indem sie die bewährten Perspektiven der Balanced Scorecard als Ordnungsrahmen nutzt und das System konsequent auf dem erhobenen Bedarf aufbaut. Damit liefert sie ein übertragbares Vorgehen für Unternehmen, die ihre Steuerung gezielt und ressourcenschonend weiterentwickeln wollen.

Ergebnisse

Aus den Interviews wurden 32 Anforderungen abgeleitet und in 32 Designelemente, sieben Adressatensichten und 24 Kennzahlen übersetzt. Ein lauffähiger Prototyp setzt davon ein Minimum Viable Product mit 13 Kennzahlen um. Die Evaluation mit 21 Teilnehmenden auf Basis des Technology Acceptance Model fiel durchweg positiv aus, bei hoher Messgüte und Mittelwerten zwischen 3.8 und 4.1. Aus dem gesamten Verlauf von Entwicklung und Evaluation wurden vier übertragbare Designprinzipien abgeleitet. Es sind die adressatengerechte Aggregation, die Transparenz über Datenherkunft und Aufbereitung, die einheitliche Definition von Begriffen und Kennzahlen sowie eine kennzahlenindividuelle Logik für Bewertung und Aktualisierung.

Implikationen für Praktiker:innen

  • Adressatengerechte Aggregation, also allen denselben Datenbestand in unterschiedlicher Verdichtung bereitstellen mit einer gemeinsamen Standardsicht und einheitlichem Drilldown statt paralleler Insellösungen.
  • Transparenz über Datenherkunft, also Quelle, Aktualität und Aufbereitungsart jeder Kennzahl sichtbar machen, damit pauschale Skepsis einer situativen Einschätzung weicht.
  • Einheitliche Definition von Begriffen und Kennzahlen, also jede Kennzahl abteilungsübergreifend gleich definieren und die Definition direkt am Dashboard zugänglich halten, damit sie als gemeinsame Entscheidungsgrundlage taugt.
  • Kennzahlenindividuelle Logik für Bewertung und Aktualisierung, also Massstab, Ampellogik und Aktualisierungsfrequenz je Kennzahl fachlich passend wählen statt einen Einheitsmassstab über alles zu legen.
  • Bedarfsgetriebenes und iteratives Vorgehen, also jeden Systembestandteil auf einen belegten Bedarf zurückführen und das System schrittweise über ein Minimum Viable Product mit Feedbackschleifen einführen.

Methoden

Die Arbeit folgt dem Ansatz des Design Science Research und durchläuft drei Phasen. In der ersten Phase wird der Bedarf über fünf leitfadengestützte Experteninterviews entlang der Unternehmensfunktionen erhoben und mit einer strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Deduktives und induktives Kodieren überführt die Aussagen in nachvollziehbare Anforderungen. In der zweiten Phase entsteht daraus ein Dashboard, das als Webanwendung in HTML, CSS und JavaScript umgesetzt wird, wobei jede Designentscheidung auf eine belegte Anforderung rückführbar bleibt. In der dritten Phase wird der Prototyp anhand des Technology Acceptance Model mit 21 Teilnehmenden evaluiert und die Befunde werden zu vier Designprinzipien im CIMO-Format verdichtet.


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Für Fragen oder einen fachlichen Austausch zum Thema stehe ich gerne unter kilian.zbinden@students.bfh.ch zur Verfügung.